Vorwort des Verfassers

Der folgende Text ist ein Versuch, Parallelen zwischen dem
Instrument der Aborigines und dem Gedankengut der
Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) herzustellen.
Darüber hinaus werden sich persönliche Anmerkungen
meinerseits finden, die hypothetisch, philosophierend und subjektiv sind, für mich jedoch interessante Gedankenanstöße bedeuten. Er ist keine Anleitung oder Aufforderung zu Heilungszwecken!

Alle aufgeführten Informationen wurden mit größtmöglicher Sorgfalt zusammengetragen - eine Gewähr für ihre Richtigkeit kann dennoch nicht übernommen werden. Sie ersetzen in keinem Falle das persönliche Beratungsgespräch mit einem qualifizierten Heilpraktiker oder Arzt!

Nicht nur der Respekt beiden Kulturen gegenüber, sondern auch die Komplexität der Thematik bedingt, dass ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit habe. Gerade, was das Spiel des Yidaki in der Kultur der Aborigines bezüglich Heilung anbelangt, ist uns sehr wenig bekannt. Das liegt auch daran, dass ein Großteil dieses Wissens nicht an uns Balanda (Weiße) weitergegeben wird. Selbst wenn, wäre es sicher schwer zu verstehen, da das Bild des Seins und damit auch das Krankheits- und Heilungsverständnis der australischen Ureinwohner ein anderes als unseres ist.

Deshalb wird diese Ausarbeitung auch nicht davon handeln. Wer hierzu mehr wissen möchte, dem sei das Buch "Healers of Arnhemland" von John Cawte, UNSW Press, ISBN 0-86840-351-2, empfohlen.

Obwohl die Akupunktur und andere Methoden der TCM (Tai Chi, Kräutermedizin, usw.) hierzulande immer bekannter und auch angewandt werden, ist es für uns westliche Menschen schwer, dieses Wissen zu verstehen. Gerade die Einfachheit des bildhaften Denkens in der TCM vermag das unter Umständen zu verhindern. (Literaturhinweis: "Das große Buch der chinesischen Medizin" von Ted J. Kaptchuk, O.W.Barth Verlag, ISBN 3-502-67358-6; sehr empfehlenswert, zudem für etwa 15,- € unglaubliches Preis-Leistungsverhältnis)

Aus diesem Grund ist die nachfolgende Arbeit eine Einladung, auf Entdeckungsreise zu gehen, aufmerksam zu sein. Sie entstand aus der simplen Triebfeder Faszination an meiner beruflichen Tätigkeit als Heilpraktiker, Akupunktur praktizierend, und Spaß am Instrument, das ich selbst nicht therapeutisch einsetze.

Traditionelle Chinesische Medizin

Alle Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beruhen auf den gleichen Gesetzmäßigkeiten. Die wichtigsten sind die Yin/Yang-Lehre, sowie die der Fünf Wandlungsphasen (Fünf-Elemente). Nach der Lehre der TCM durchfließt uns ununterbrochen die Lebensenergie Qi in bestimmten Bahnen, den Akupunkturmeridianen. Diese sind nach dem Organ benannt, das sie versorgen. Da gibt es also einen Herz-, Leber-, Nierenmeridian, usw. Im Krankheitsfalle ist dieses Fließen von Energie im Ungleichgewicht, entweder zuviel, zuwenig, stagnierend, oder blockiert. Um dieses Gleichgewicht wieder herzustellen, werden Punkte oder Abschnitte auf diesen Meridianen z. B. durch die Akupunkturnadel, durch Erwärmung mit chinesischen Beifuß, dem Moxakraut, Massage oder anderen Methoden stimuliert.

Jedes Organ selbst gehört zu einem Funktionskreis. Dieser ist, wie die ganze Lehre aus Beobachtung entstanden. Der Chinese beobachtet, wie wir Menschen im Zusammenspiel mit der Natur, dem Universum reagieren.

Zum Beispiel stehen die meisten Harnwegs- und Niereninfekte mit dem klimatischen Faktor der Kälte in Zusammenhang. Ein übermäßig kälteempfindlicher Mensch hat - energetisch gesehen - eine "Nierenschwäche". Das heißt nicht, dass seine Nieren organisch krank sind!

Kälte lässt im Winter unsere Knochen, Gelenke steif werden. Dieses Körpergewebe gehört somit zum Nierenfunktionskreis, deshalb können Knochen- und Gelenkerkrankungen durch Therapie der Nierenenergie behandelt werden.

Ähnlich wie die Kälte lässt uns die Angst, der Schreck erstarren. Diese Emotion gehört ebenfalls in den Nierenfunktionskreis. Einem ängstlichen, schreckhaften Menschen müsste nach diesem Prinzip die Nierenenergie gestärkt werden.

Das Relief des Ohres, dem Sinnesorgan des Nierenfunktionskreises, ähnelt dem der Niere. Zum kalten Winter hin stirbt vieles in der Natur, wenn wir älter werden, wir uns dem Tod nähern, lässt häufig unsere Hörkraft nach. Deswegen ist es möglich, Ohrenerkrankungen, egal, welchen Namen sie tragen, unter anderem über die Stimulation von Nierenpunkten zu therapieren.

Die eben genannten Analogien machen klar, dass die TCM nicht nur eine Wirkung auf den Körper mit seinen individuellen Empfindlichkeiten hat, sondern auch auf die seelische Verfassung ausgleichend wirkt.

Wichtig zu beachten ist auch, dass dieses Prinzip nicht zu schematisch gesehen wird. Nicht jeder Mensch mit einer Gelenkerkrankung hat gleich Ohrenprobleme, ist ängstlich oder neigt zu Harnwegsinfekten.

Die Position des Holzinstrumentes in der Fünf-Elementenlehre

Im Denken des chinesischen Altertums entwickelten sich alle Dinge des Universums aus den Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Sie beeinflussen sich gegenseitig in Förderung und Hemmung, bis Zerstörung. Somit gehört das Didgeridoo als Holzinstrument zum Element Holz. Holz fördert das Feuer, dadurch entsteht Asche, die Erde versinnbildlichend. Aus der Erde geht das Metall (Erz) hervor, zwischen dem wiederum die Quelle des Wassers entspringt. Indem das Wasser das Holz bewässert, schließt sich der fördernde Kreislauf. Im hemmenden bis zerstörenden, jedoch kontrollierendem Kreislauf verdrängt das Holz mit seinem Wurzelwerk die Erde, dieses saugt das Wasser auf, das das Feuer löscht. Feuer schmilzt das Metall, welches das Holz zerstört, z. B. in Form einer Axt oder einfach keine Lebensgrundlage bietend.

Da der Mensch Teil des Universums ist, spiegeln sich diese Elemente in ihm wieder. So gehören zum Element Holz die Organe Leber und Gallenblase, deren Erkrankungen sich oft am Sinnesorgan Auge bemerkbar machen. Frisches Holz ist grün, wie die Gallenflüssigkeit. Grün ist es im Frühjahr, wenn die Frühjahrsstürme ganze Wälder knicken können. Der Wind ist der schädigende klimatische Faktor. Wenn sich jemand bei windigem Wetter ganz besonders wohl oder unwohl fühlt, ist sein Leber-Qi im Ungleichgewicht. Ein wichtiger Aspekt in jedem Funktionskreis ist eine ihm zugeordnete Emotion. Im Falle der Leber ist es der Zorn. Wir kennen den Ausdruck des "Cholerikers", der sich von Galle ableitet. Wohlgemerkt ist es immer ein zuviel oder zuwenig, was zum Schaden führt.

"Die Leber liebt die Ordnung, sie liebt nicht die Betrübtheit" ist ein Lehrsatz aus der TCM über die Leberenergie. Vielleicht hängt es mit dem Aspekt (Holz-)Struktur zusammen, dass die Ordnung so wichtig ist, Chaos vermeidet. Fast jeder Didgeridoo-Spieler kennt die Situation bei seelischem Unwohlsein, entweder gar nicht zum Instrument greifen zu wollen, oder sich damit wieder "besser drauf zu bringen".

Mit dem Didgeridoo halten wir übrigens ein Windblasinstrument in den Händen. Möglicherweise hilft es uns, unsere Gedanken (und mehr) zu ordnen.

Der Musikton E entspricht dem Element Holz

Das chinesische Wort Jiao bedeutet Blashorn, Geweih, Jagdhorn und gilt für alle Windblasinstrumente. Der Ton E (Mi) stimuliert die Leberenergie

Das Musikinstrument Qin

Dieses Wort steht für alle Saiteninstrumente, z. B. die Geige, Laute usw. Das entsprechende chinesische Schriftzeichen drückt Harmonie und Zusammenklang aus. Sehr berührende Erfahrung habe ich im Zusammenspiel mit der Violine und der mongolischen Shudrag und Pferdekopfgeige gemacht (sh. "Renaissance Kontinental").

Primär betroffene Funktionskreise durch das Spiel des Didgeridoos

Die wichtigsten Sinnesorgane, die wir hierzu brauchen sind Lippen/Mund, die Zunge, das Ohr und die Nase.

Lippen/Mund - der Milzfunktionskreis

Das so genannte Lenker- oder Gouverneur-Gefäß zieht in der Körpermitte über die ganze Wirbelsäule aufwärts über den Scheitel hinweg bis unter die Oberlippe. Dieses Lenkergefäß heißt deshalb so, weil es übergeordnet geistig- und körperlich "lenkende" Funktion hat. Das Diener-Gefäß oder Konzeptions-Gefäß steigt ebenfalls in der Körpermitte verlaufend von der Urogenital-Region bis unter die Unterlippe auf und umkreist mit seinem inneren Verlauf beide Lippen. Dickdarm- und Magenmeridian ziehen dicht an den ihnen vorbei. Der Leber-Meridian (sh. o.) hat einen direkten inneren Verlauf zu den Lippen. Alle Meridiane sind über Verbindungsgefäße miteinander verknüpft und das Qi durchfließt sie innerhalb 24 Stunden in einer bestimmten Reihenfolge. Mit dem Didgeridoo-Spiel nehmen wir immer Einfluss auf unser Fliessen von Qi, gleichzeitig ist es auch immer dessen Ausdruck.

Der Mund ist das Sinnesorgan, dass der Chinese dem Milz- (Magen-)funktionskreis zuordnet. "Wenn der Mund die fünf Getreidearten unterscheiden kann, ist das Qi der Milz im Gleichgewicht". An den Lippen liest er den energetischen Zustand der Milz ab. Blasse Lippen deuten vereinfacht ausgedrückt auf deren Qi-Mangel hin.

So könnten wir annehmen, dass durch das Vibrieren der Lippen ihre Durchblutung gefördert und damit das Milz-Qi wieder gestärkt wird.

Die Milzenergie ist u. a. zuständig für die Umwandlung und den Weitertransport der Nahrungsstoffe zuständig, das heißt sie nimmt auch einen großen Einfluss auf unsere Verdauungsfunktion.

Der schädigende klimatische Faktor ist die Feuchtigkeit. Zuviel Feuchtigkeit wäscht die Erde aus, deshalb soll das Wurzelwerk des Holzes dies verhindern. Zuviel Feuchtigkeit lässt uns bei schwülem Wetter schwer und matt fühlen ("wie ein nasser Sack") oder bei feuchtkaltem Wetter gar trübsinnig werden. Fettleibigkeit, Müdigkeit und Schweregefühl sind Ausdruck einer Schwäche der Milz. Taubheitsgefühl oder gar gelähmte Gliedmaßen sind extreme Beispiele für eine gestörte Milzenergie. So verwundert die Schilderung eines Querschnittgelähmten nicht, er verspüre nach dem Didgeridoo-Spielen ein Kribbeln auch in den gelähmten Beinen. Zudem wird ja noch das Lenkergefäß mit seinem großen Bezug zum Zentralen Nervensystem aktiviert. Ob sich deshalb gleich das Musizieren mit dem Windblasinstrument zur Gewichtsreduktion eignet, sei in Frage gestellt.

Das Körpergewebe, das dem Milzfunktionskreis zugeordnet wird, ist dasjenige, das unsere Körperform bestimmt. Hierzu zählt die Muskulatur der vier Extremitäten, das Unterhaut- und Fettgewebe. Häufig findet man Übersetzungen aus chinesischen Werken einfach mit "Fleisch". Wahrnehmung von Tönen, Vibrationen sind auch mit diesem Gewebe möglich.

Unabhängig von den Gesichtspunkten der TCM befinden sich in den Lippen verhältnismäßig viele Druckrezeptoren, die gerade in der Liebe, beim Küssen, aktiv sind, wenn unser Gehirn so genannte Endorphine (laienhaft Glückshormone genannt) ausschüttet. Wer würde da noch Grübeln und sich Sorgen machen? Dies ist nämlich der emotionale Aspekt des Milzfunktionskreises. Sicherlich werden diese Mechanorezeptoren während des Didgeridoo-Spielens stimuliert.

Endorphine spielen auch bei der Akupunktur eine Rolle, da sie einen Teil ihrer schmerzstillenden Wirkung nach wissenschaftlichem Verständnis erklären.

Zunge - der Herzfunktionskreis

Eines haben Lippen-, Zungen- und Kehlkopfmuskulatur gemeinsam - sie werden vom Broca-Sprachzentrum im Gehirn kontrolliert. Hier findet sich eine interessante Übereinstimmung zwischen Physiologie und TCM.

Das Herz-Qi steuert Shen, den Lebensgeist, auch übersetzbar mit Bewusstsein, unser Denken und Handeln bestimmend. In der chinesischen Diagnostik ist ein klares Shen erkennbar durch eine rosige Gesichtsfarbe, leuchtende Augen und eine klare Sprache. Für mich ein wichtiger Gesichtspunkt auch beim Spielen des Didgeridoos. Hierzulande kennen wir ja Sprichwörter wie z.B. "sein Herz auf der Zunge tragen".

Die Deutlichkeit unserer Sprache wird durch die Zunge geformt. Gleichzeitig ist auch das Gesprochene Ausdruck unseres Bewusstseins. Ist unser Bewusstsein durch Alkoholeinfluss, Hitzschlag oder gar durch einen Schlaganfall, der häufig das Broca-Sprachzentrum betrifft, getrübt, ist die Zungenmotorik gestört.

Während des Didgeridoo-Spielens wird die Vielzahl der Gesichtsmuskeln aktiviert (mehr Durchblutung = eher rosige Gesichtsfarbe). Weil es Freude macht, leuchten die Augen. Jedoch kommt jetzt die große Herausforderung durch dieses Instrument. Je klarer der Einsatz der Zunge, desto klarer die Obertöne und der Klang an sich. Je koordinierter der Einsatz aller beteiligten Muskeln, bzw. Organe, desto klarer und verständlicher das Spiel. Hier sehe ich eine Chance, Einfluss auf die Entwicklung des eigenen Shen zu nehmen. Dieses Instrument zeigt uns unsere Gemütslage, unsere Unsicherheit, unseren Mut, unsere Kraft.

Zum Funktionskreis Herz gehören weiterhin das Gefäßsystem und die Emotion der Freude. Hier stellt sich die Frage, inwieweit das Didgeridoo-Spielen Einfluss auf die Durchblutung einzelner Organe, bzw. des gesamten Organismus nimmt.

Nach der Fünf-Elementen-Lehre gehört die Freude zu diesem Funktionskreis. Im ersten Moment kann man es vielleicht nicht glauben, doch ein Zuviel an Freude schadet dem Herzen. So mancher hat schon seinen Herzinfarkt vor lauter Freude über den unerwarteten Lottogewinn, bzw. das Siegtor seiner Fußballmannschaft bekommen. Dass ein zuwenig an Freude schadet, ist klar.

Als Jahreszeit wird der Sommer dem Herzfunktionskreis zugeordnet. Draußen ist es (hoffentlich) warm, wir gehen mehr hinaus, auch aus uns heraus. Das ist etwas, was wir ebenfalls mit dem Spielen des Didgeridoos praktizieren. Es bietet die Möglichkeit unser Herz zu öffnen, aus uns heraus zu gehen.

Einen direkten inneren Meridianverlauf zur Zunge haben noch die Milz- und Nierenenergie.

Ohr - der Nierenfunktionskreis

Mit den Ohren hören wir natürlich. Es ist das Sinnesorgan, das dem Nierenfunktionskreis zugeordnet wird. Die Nieren-Energie ist also wichtig im Zusammenhang mit Hörfähigkeit und Wahrnehmung von Klang. In dem o. g. Kapitel Traditionelle Chinesische Medizin wurde der Nierenfunktionskreis schon beispielhaft erklärt.

In dem wir beginnen dem Didgeridoo mehr und mehr Töne zu entlocken, schulen wir auch unsere Aufmerksamkeit diese wahrzunehmen. Diese Schulung der Wahrnehmung (nicht nur der Töne) lässt sich für viele Lebensbereiche nutzen.

Es wurde schon erwähnt, dass das Körpergewebe der Knochen dem Nierenfunktionskreis zugeordnet wird. Sogar im Ohr haben wir drei so genannte Gehörknöchelchen, die die Weiterleitung des Schalls ermöglichen. Schall kann durch Knochen weitergeleitet werden.

In der TCM wird nicht unterschieden zwischen Knochen- und Rückenmark. Das Rückenmark steigt auf bis zum Gehirn, dem "Meer des Markes" und "Sitz des Willens". Hier stellt sich die Frage, ob und wie durch das Spielen des Didgeridoos Einfluss auf die Funktionen des Zentralen Nervensystems genommen werden kann. Vielleicht auch hier ein Ansatz für die Empfindung des Kribbelns bei einem Querschnittgelähmten in den Beinen oder für Wahrnehmung signalisierender Reaktionen geistig- und körperlich Behinderter.

Geistige, wie auch körperliche Starre sind Ausdruck eines gestörten Nieren-Qi. Feinmotorische Übungen stärken es. Mit dem Didgeridoo-Spiel stärken wir unsere Feinmotorik durch Abstimmung aller beteiligten Strukturen, wie Lippen, Zunge, Kehlkopf, Zwerchfell usw.

Interessanterweise hat der innere Verlauf des Nierenmeridians einen direkten Bezug zum Kehlkopf. Aus vorgenannten Gründen empfehle ich sein gezieltes Einsetzen beim Musizieren.

Das Element des Nierenfunktionskreises, das Wasser, fördert das Holz im Energiekreislauf. Ein Aspekt, weshalb ich nie auf die Idee käme, dieses Holzinstrument von innen mit Lack oder Wachs zu versiegeln. Für mich würde dadurch ein "lebensnotwendiger" Austausch verhindert.

Einen weiteren Bezug des Elementes Wasser zum Didgeridoo-Spiel finden wir beim Erlernen der Zirkularatmung. Hier ist Wasser oft ein willkommenes Hilfsmittel - sei es, dass wir mit Strohhalmen in ein Wasserglas blubbern oder einatmen, während wir einen Strahl Wasser aus den Wangen pressen.

Für den traditionell denkenden Chinesen ist es die Niere, die das Qi der Atemluft aufnimmt. Deshalb werden in der TCM Erkrankungen der Atemwege auch über die Beeinflussung der Nierenenergie behandelt. Hier haben wir also einen direkten Bezug von Lunge zu Niere.

Stichwort Zirkularatmung - auch das Gesetz der Fünf Wandlungsphasen basiert auf Kreisläufen.

Nase - der Lungenfunktionskreis

Durch die Nase atmen wir ein. Insofern ist klar, dass dieses Sinnesorgan zum Lungenfunktionskreis gehört. Alle Erkrankungen der Atemwege, ob Schnupfen oder Lungenentzündung, werden in der TCM über die Stimulation des Lungen-Qi therapiert. Die Haut ist unsere äußere Schutzhülle (auch sie muss "atmen" können), deshalb ist sie das zugehörige Körpergewebe. Der klimatische Faktor Trockenheit schädigt die Lungenenergie (lässt auch unser geliebtes Holzinstrument reißen). Wenn wir meist aus Kummer oder Trauer weinen müssen, verstopft auch unsere Nase.

Es gibt verschiedene Formen des Qi. Das, das bislang gemeint war, ist dasjenige, das in den jeweiligen Meridianen der Organe fließt. Im Zusammenhang mit dem Lungen-Qi ist das von ihm abhängende Abwehr-Qi wichtig. Es fließt im Brustkorb und zwischen Haut und Muskulatur, ähnlich einem Abwehrschild. Ist das Lungen-Qi kräftig genug, so ist es auch unser Abwehr-Qi, die Abwehrkraft.

Mit dem Didgeridoo haben wir ein Instrument und mit der Zirkularatmung eine große Möglichkeit, Einfluss auf unsere Atemfunktionen und auf die Sauerstoffversorgung des Organismus zu nehmen. Vielleicht hat der/die ein oder andere Spieler/in an sich schon eine geringere Infektanfälligkeit beobachten können. Wichtig dafür ist bestimmt auch das Einsetzen ungiftiger Pflegemittel und Materialien für das Didgeridoo.

Wiederum interessant, dass das Yidaki aboriginal aus dem Holz von Eukalyptusbäumen hergestellt wird. Das ätherische Öl der Eukalyptusblätter wird in der Aromatherapie wegen seiner entzündungshemmenden, schleimlösenden etc. Wirkung gerade bei Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Schlusswort

Danke für das Interesse an diesem Thema. Unter info@eichenberg-med.de nehme ich Fragen und Anregungen gerne entgegen. Es gäbe sicher noch viel zu erklären, z.B. die Yin/Yang-Lehre. Trotzdem hoffe ich, dass das Gelesene Neugierde hervorgerufen und Spaß gemacht hat, sowie einigermaßen verständlich war. Wahrscheinlich ist sogar mehrmaliges Lesen notwendig.

 

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