Das Sugar-Bag-Mundstück

Sugar-Bag ist der einzige Stoff, der traditionell seit Tausenden von Jahren von den Aborigines verwendet wird, um Yidaki- Mundstücke in der Form nachzubessern oder zu verkleinern. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus zahlreichen Stoffen. Grundlage ist die Propolis-Wachs-Grundsubstanz gekochter Nester der nur 3 bis 5mm großen stachellosen schwarzen australischen Honigbiene. Durch die Beigabe des Baumharzes des Sugar-Bag-Baumes und einem Wurzelsaft wird diese Wachssubstanz temperaturbeständig gemacht. Abgerundet durch Untermischen von einem speziellen Ton bildet Sugar-Bag eine geschmeidige, rein natürliche, harte, kristalline Mundstückmasse, die selbst bei australischen Klima nicht schmilzt oder sich verformt. In Kennerkreisen sind Sugar-Bag-Mundstücke als Zeichen für ein authentisches Yidaki sehr begehrt, denn Bienenwachs-Mundstücke minderer Qualität sind Erfindungen des weißen Mannes, der es bis heute nicht geschafft hat, diesen Stoff, mangels Rezeptur nachzuahmen. Lediglich der Preis ist bekannt, den Aborigines für Sugar-Bag verlangen: AUS $ 2 pro Gramm und nur gemeinsam mit einem Yidaki zu erwerben.

 

Das Stammholz

Zuerst wird die gewünschte Länge des Stammes zugeschnitten. Dann wird die Höhlung ausgearbeitet; die Termitengänge werden gesäubert, indem der Stamm öfters auf festen Boden gestampft wird. Das Gehölz wird entrindet und passend zur inneren Höhlung abgeschliffen, so dass eine glatte äußere Oberfläche entsteht. Etwaige Astlöcher im Rohr werden mit keilförmigen Holzbolzen abgedichtet und verleimt. Gegebenenfalls wird die Innenseite des Rohres gerade im unteren Drittel noch nachgearbeitet. Das Mundstück ist entweder einfach das glatt geschliffene obere Ende oder es wird mit einem Sugar-Bag-Mundstück versehen, um die Öffnung zu verkleinern und  bequem spielbar zu machen. Der letzte Arbeitsschritt ist die Bemalung des Didgeridoos. Aborigines verwenden dafür Ton-, Ocker-, Pflanzen- und/oder Erdfarben. Ursprünglich wurden nur Pflanzen- und Baumsäfte, insbesondere Eukalyptusblattmilch verwandt. Ein sehr schöner Link ist hier: http://gingerroot.com/oztrip/yirrkala/yidaki/

Traditionell verwenden Aborigines nur Stammhölzer zum Bau von Yidakis einer instrumentalen oder Zeremonie-Qualität, denn nur im Stamm ist die Seele des Baumes zu finden. Der Stamm wächst von allen Baumteilen am langsamsten und ist deswegen von der Faser her am dichtesten, von der Beschaffenheit her am härtesten und von der Resonanz am besten. Es werden Bäume gesucht, die von Termiten befallen sind und innen ausgefressen wurden, der Baum aber an sich noch keinen größeren Schaden genommen hat. Die Höhlung im Stamm ist noch eng und die Aborigines können Yidaki's ihrer Vorstellung bauen: das heißt, es werden zwischen 20 und 40 Arbeitsstunden pro Yidaki investiert, um es dann ca. 1,20 bis 1,80 m lang zu machen, schlank am Mundstück und breit und hoch am Trichter erscheinen zu lassen. Die Yidaki's sind hoch in der Note, wobei C (Cis) traditionell gesehen die tiefste Note bildet. Lediglich zu Beerdigungen werden tiefere Yidaki's gespielt, vornehmlich das tiefe G (Gis), bekannt als Deadman´s Didge, die Weiße aus Respekt niemals spielen sollten. Hohe Noten erreicht man durch tiefe Aushöhlung des Trichters. Die Klangsäule, die für die Notierung verantwortlich ist, endet am Trichteransatz. Der Trichter ist verantwortlich für eine gute Resonanz, treibender Basswelle, satte Lautstärke und hohem Kompressionsdruck beim Blasen. Ferner ist das Verhältnis zwischen Trichtertiefe und Notierung für die Balance des Yidaki's von Wichtigkeit. Mit der Balance wird auch die eigentliche Qualität des Yidaki's getestet. Um seine eigentliche Qualität als Weißer beurteilen zu können, setzt es einige Übung voraus, sowie das Interesse an traditionellen Spieltechniken. Die Aborigines spielen neben den zwei Grundtontechniken, dem weichen Grundton (Basic Drone) und überblasenen Grundton (Trompetenton, Trompet oder Horn), die im kontemporären, "weißen/westlichen" Spielstil zu finden sind, noch eine dritte Grundtontechnik, den gezogenen Grundton (pulled drone, pulling). Dieser liegt im Frequenzgang genau zwischen Basic Drone und Horn. Mit ihm wird die eigentliche Rhythmik angegeben.

 

Zur Bemalung

Traditionelle Bemalungen werden mit Ockerfarben, Pfeifenton und Holzkohle hergestellt. Die Farben Rot, Schwarz, Gelb werden lediglich durch den weißen Pfeifenton und den seltener zu findenden braunen Ocker ergänzt. Bei Zeremonie-Yidakis wird die Zeremonie oder der Sinn der Zeremonie in der Bemalung wiedergegeben. Dabei kann es vorkommen, dass Teile der Yidaki's nach der Zeremonie erneut übermalt werden müssen, weil die Symbolik heilig ist. Werden in der Bemalung Tiere, Pflanzen, Mimi-Spirits und Schöpfungswesen dargestellt, handelt es sich um ein traditionelles, authentisches Story-Painting, kurz Inside-Painting genannt. Bemalungen spiegeln häufig die Story des Malers wieder. Die Symbolik kann dabei durchaus so abstrakt sein, dass ein einfaches Ringmuster eine Schlange darstellt.

 

Copyright © 2006 Hans-Jürgen Eichenberg [Impressum]